Welche Sicherheitsbestimmungen gelten in der Darstellung?
Sex and Drugs and Rock n Roll Torture
Call of Cthulhu Live Rollenspiel Events bei Terreur Nocturne bedienen die ganze Spanne von altertümelnden Gothic Horror über B-Movie Pulp Fiction bis zum modernen Psychothriller. Auch wenn es fast schon grundsätzlich fantastische Kreaturen mit dunklen Absichten auf den einzelnen Cons gibt, so sind doch die eigentlichen Monster praktisch immer die Menschen: Seien es bspw. die häufigen Urbösen schlechthin, die Kultisten, die auf dem Rücken der Unschuldigen nach Macht streben, oder schlicht die Spielercharaktere, die auf ihrer panischen Flucht vor Wahnsinn und tot, eher ihre Kameraden opfern, als selbst ein Opfer zu werden. Viele dieser Situationen können nach dem Prinzip von Du kannst, was Du darstellen kannst oder über die Auswirkungen der Spielregeln einfach simuliert werden. Ein paar Simulationen im Spiel geschehen, gehen jedoch noch einmal weit über diesen Rahmen hinaus. Diese Themen auszuschließen, hieße, die Spielwelt einer wichtigen und ganz realen Komponente zu berauben. Daher werden wir die drei Grenzbereiche Sexualität, Drogenkonsum und extreme Gewalt hier kurz näher beleuchten und eindeutige Regeln für sie erklären.
I. Simulierte Intimität
a) Echte intime und sexuelle Handlungen gehören ins Privatleben, nicht ins Rollenspiel. Empfindliche persönliche Grenzen werden hier am Schnellsten überschritten. Darum wird dieses ganze Gebiet abstrakt simuliert. Umgekehrt kann und soll davon ausgegangen werden, dass jede diesbezügliche Handlung im Spiel ausschließlich mit der Darstellung des Charakters und nicht mit eigenen Neigungen und Interessen zu tun hat.
b) Berührungen beim Gegenüber sind normalerweise nur durch die Einigung der Darsteller beschränkt. Im Fall eines intimen Austausches greift aber folgende Limitation. Jede intime Berührung wird durch ein sanftes Streicheln des Handrückens dargestellt und jede weitergehende Berührung in leisem, vertrautem Tonfall beschrieben, wie sie dann in der Spielrealität stattfindet.
c) Küsse werden dargestellt, indem sich die beiden Darsteller ganz leicht an der Schulter festhalten, die Wangen aneinanderlegen und die Augen schließen.
d) Tatsächlicher Sex wird dargestellt, indem die beteiligten Darsteller sich (natürlich vollständig bekleidet) dicht mit Blickkontakt gegenüberstehen/sitzen/liegen, ihre Hände fest ineinander verschränken und durch darstellerischen Ausdruck (Mimik, Gestik, Vokalisation) ihre Empfindungen zum Ausdruck bringen.
II. Simulierter Drogenkonsum
e) Der Verzehr von Alkohol oder illegalen Drogen ist der Feind des guten Rollenspiels. Er erschwert die charaktertreue Darstellung, vernebelt die eigene Empfindungsfähigkeit, verwischt die Trennlinie zwischen Darsteller und Rolle und macht unvorsichtig im Umgang mit anderen. Jeglicher realer Konsum ist streng untersagt. Umgekehrt kann und soll davon ausgegangen werden, dass jede berauschte Handlung im Spiel ausschließlich mit der Darstellung des Charakters und nicht mit einer eigenen Intoxikation zu tun hat.
a) Alkohol wird durch passend gefärbte, nichtalkoholische Flüssigkeiten simuliert. Wer nicht ganz auf den Geschmack als Element der Simulation verzichten will, darf alkoholfreies Bier/alkoholfreien Wein nutzen. Harter Alkohol muss immer durch Limonade oder dergleichen dargestellt werden, da es hier keine „ohne“ Äquivalent gibt.
b) Alle THC-Produkte werden durch ungefährlichen, nikotinfreien Kräutertabak dargestellt, der vergleichbar riecht, aber auch von den meisten Nichtrauchern problemlos und beschwerdefrei konsumiert werden kann.
c) Alle Tabletten werden durch farbige Bonbons dargestellt. Achtung: Hierbei bitte immer klären, ob eventuelle Allergien, Unverträglichkeiten oder andere Erkrankungen (bspw. Diabetes) von einer Verabreichung betroffen sein könnten.
d) Alle Rauschmittel in körniger oder Pulverform (wie bspw. Kokain) werden durch Puderzucker simuliert, der auch problemlos mal tatsächlich (mit Vorsicht) geschnupft werden kann, wenn eine Spielsituation es erfordert.
e) Alle Rauschmittel, die normalerweise gespritzt werden, werden durch farbige, lebensmitteltaugliche Flüssigkeiten dargestellt, die in Spritzen ohne Nadel (!!!) aufgezogen sind. Bitte beim Verabreichen bei Anderen bitte offplay fragen, ob es in Ordnung ist, dass eventuell die Kleidung in Mitleidenschaft gezogen wird.
III. Simulierte Gewalt
a) Jede Form von Konfrontation oder Demütigung und sei sie rein verbaler Natur, sei bitte vom Aggressor mit äußerster Behutsamkeit und Aufmerksamkeit auf die realen Gefühle des Darstellers des Opfers durchzuführen. Umgekehrt kann und soll davon ausgegangen werden, dass jede gewalttätige/demütigende Handlung im Spiel ausschließlich mit der Darstellung des Charakters und nicht mit einer eigenen Haltung zu tun hat.
b) In allen Spielsituationen gelten die drei Sicherheitsworte „LANGSAM“, „PAUSE“ und „STOPP“. Wenn diese Worte genannt werden, ist das ein sofortiges (!) und unbedingtes (!) Zeichen für die an einer Situation beteiligten, ihr Verhalten an das genannte anzupassen. „LANGSAM“ bedeutet, dass derjenige sich unwohl mit dem Inhalt der Szene fühlt, aber bereit ist, weiter zu spielen, wenn die Beteiligten einen Gang runter schalten und innerhalb der nächsten 1-2 Minuten das Thema wechseln. „PAUSE“ bedeutet, dass die Szene kurz unterbrochen wird, weil der Betroffene sich kurz erholen muss, bzw. gerade keine weiteren Eindrücke gebrauchen kann, aber prinzipiell bereit ist, nach einer kleinen Unterbrechung weiterzuspielen. „STOPP“ bedeutet, dass die Szene sofort nach der Ansage komplett abgebrochen und ersatzlos gestrichen wird, der Darsteller aus dem Spielfluss entschuldigt ist und sich in einen der Offplay-Bereiche zurück zieht.
c) Jede Form von Festhalten im Spiel wird durch ein sehr leichtes Ergreifen des Oberarms (im Fall des Oberkörpers) oder des Unterschenkels (im Fall des Unterkörpers) und die Ansage „KRAFTAKT“ dargestellt. Alles heftigere Festhalten ist nicht zulässig. Fixierung durch Fesseln wird dargestellt, indem eine Schnur lose einmal um Hände/Füße gelegt und „GEFESSELT“ gesagt wird. Wird jemand irgendwo eingeschlossen, wird ein Post-It mit dem Vermerk „VERSCHLOSSEN“ über das betreffende Türschloss geklebt. Darsteller werden niemals tatsächlich eingesperrt oder fixiert.
d) Der Entzug von Nahrung oder Schlaf, oft gebrauchte nicht-invasive Foltermethoden, darf niemals ein realer Verlust sein. Die Spielleitung garantiert auf jeder Con die Möglichkeit, sich jederzeit selbstständig innerhalb der Spielzone mit Essen und Trinken zu versorgen, bzw. so zur Ruhe zu begeben, dass man sicher und völlig aus dem Spiel ist. Ein kleiner Logikbruch der Welt kann doch eine Menge Spielspaß erhalten, der sonst einfach flöten ginge.
e) Gewaltakte an einem hilflosen Opfer werden immer erst kurz geflüstert mit dem Darsteller des Opfers durchgesprochen und nur dann dargestellt, wenn dieses sein Okay gegeben hat. Selbstverständlich ist dabei auf Vorsicht und Selbstkontrolle zu achten.
f) Sexuelle Gewaltakte werden NIEMALS dargestellt. Sie sind ein Teil der Spielrealität, weil sie leider ein Teil der realen Welt sind, aber sollten sie im Spiel überhaupt jemals Teil der Handlung sein, werden sie ausschließlich im Time-Freeze beschrieben und die Reaktionen und Empfindungen darauf eventuell darstellerisch umgesetzt, wenn die beteiligten Parteien ihr Einverständnis gegeben haben.
g) Zum Schluss noch eine eher heitere Note: Beim Rumsauen mit Kunstblut und ähnlichen Make-Up oder Spezialeffekten, befragt bitte immer Euer „Opfer“, ob die Kleidung das aushält.
Die vorstehenden Handlungsrichtlinien sind keine Optionen! Sie sind verbindliche Regeln, wie jede andere im Regelwerk auch. Wer diese Regeln verletzt, wird verwarnt. Wer ein zweites Mal verwarnt werden muss, wird von der aktuellen und wahrscheinlich allen zukünftigen Veranstaltungen ausgeschlossen. Damit Grenzbereiche der menschlichen Psyche überzeugend und mit voller Empfindung dargestellt werden können, müssen Spieler immer ein Gefühl der Sicherheit, Klarheit und Vertrautheit haben. Achtet auf Euch und Andere, nehmt Rücksicht, erfragt das Befinden und kommuniziert stets das Eigene. Es gilt, lieber einmal zu viel Vorsicht walten zu lassen, als jemandes Gefühle zu verletzen.
