Ungeklärte Todesfälle in der Villa Georgi !!!
Am Samstag, dem 22. Dezember 1923 kam es zu einer entsetztlichen Serie bisher ungeklärter Todesfälle in der am malerischen Grunewald gelegenen Villa des renommierten Professors der Psychologie Erich Georgi, hier abgebildet mit unserem Reporter Leonhardt Kirschler.
Herr Prof. Georgi hatte eine illustre Schar von Gästen in sein Heim geladen, um den Erfolg einer neuen von ihm entwickelten Behandlungsmethode zu feiern und sie nach Jahren intensiver Vorbereitung und Erprobung der Öffentlichkeit vorzustellen.
Illustre Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gaben sich die Ehre, so u.a. UFA-Filmstar Magdalene Wulff und ihre beste Freundin, die zukünftige Millionenerbin der Rüstungsindustrie Tanja Ehrenwaldt, beide hier abgebildet mit Maria Georgi, der stolzen Hausherrin (Mitte).
Bei so glanzvollen Personen des öffentlichen Interesses konnten natürlich auch Herzensdinge nicht ausbleiben. So soll man gehört haben, dass Frau Wulff an diesem Abend an eine alte Liebschaft mit dem Unglückspiloten des Zeppelinabsturzes von 1921, Hyacinth von Strachwitz wieder angeknüpft haben soll.
Dieser war, ebenso wie der deutsch-nationale Reichstagsabgeordnete Ludwig Kannengießer, einer der prominenten Patienten für das neue Verfahren, zu dem versprochen wurde, dass es nach nur einer Anwendung und ohne jeden längerfristigen Kuraufenthalt für Linderung jeglicher Ängste und sonstigen neurotischen Verhaltens sorgen könne.
Herr Kannengießer und sein enger Freund und Parteigenosse, der Polizei-Haupt-Kommissar Herrmann Dennewitz, zogen aber noch in anderer Art die Aufmerksamkeit auf sich, als sie in einen Strudel von zwielichtigen Geschehnissen um eine angebliche Gräfin Eleanora von Stolzenfels und ihren anmaßenden Chauffeur Johann Markwardt (beide hier nicht abgebildet, um folgende Polizeiarbeit nicht zu gefährden) gerieten, der tief in einen Sumpf aus Einbruch-Diebstahl, organsierter Bandenkriminalität, Drogen und Sexualdelikten führte.
Aber auch die Bürgerschicht
sollte ansonsten nicht zu kurz kommen, traf doch Herr von Strachwitz auf seine ehemalige Chef-Stewardess und Schwester unseres rasenden Reporters, Karoline Kirschler, die sich ebenso dem Verfahren unterzog.
Mehreren Personen stets auffällig intensiv auf den Fersen war die Gesellschafterin Alisa Fjodorowna Ossolina-Heinrich, von der sich im Laufe
des Abends herausstellte, dass es sich bei ihr um eine Privatdetektivin handele, die den vermutlichen Drahtzieher hinter den schrecklichen Ereignissen des restlichen Verlaufes des Abends verfolgte.
Dieser Mann, der Hausdiener Walter Gebhardt, früherer Student der Archäologie und, wir wir mittlerweile wissen, Mitglied jener pseudo-okkulten Germania-Loge der Thule Gesellschaft, 
konnte durch sein untertänig-zuvorkommendes Wesen offensichtlich zu lange zu viele vertrauensvolle brave Bürger täuschen, während er einen diabolischen Plan ausheckte, dessen Folgen im Laufe der Nacht alle zu spüren bekommen sollten. Kurz nachdem einige Anwesende zeugen eines geheimen Stell-Dich-Eins zwischen dem Assistenten und der offenkundig ebenso blauäugigen wie untreuen Hausherrin wurden, stellte sich ein Schneesturm ein, dessen winterliche Auswirkungen, die freiwillige Teilnahme an der Veranstaltung zum nicht mehr zu verlassenden Pflichtprogramm für alle machten.
Und dann begann das Grauen. Wie wir jetzt rekonstruieren konnten, starben in kurzer Abfolge der kommunistische Freizeitdemagoge Andreas von Mecklenburg-Schwerin,
schließlich die unglückliche Tanja Ehrenwald.
Ertränkt, erstochen, erstickt und vergiftet. Vier grauenhafte Tode, immer dann mörderisch vollstreckt, wenn niemand hinsah. Vier dahin gemordete Opfer, die keine Schuld auf sich geladen hatten, als Heilung für ihre Neurosen zu suchen.
Und dann, als man beginnt, dem Rätsel auf die Spur zu kommen und den Verbrecher als jene Schlange zu erkennen, die er ist, begannen die Trommeln im Keller.
Der Tagelöhner Kalle Schönbohm, der an diesem Abend um Anstellung im Hause des Professors ersuchte, erklärte sich bei dem adhoc gehaltenen Kriegsrat bereit, mutig voranzuschreiten und bezahlte das auf grauenhafte Weise mit seinem Leben, als ihm am Fuß der Kellertreppe das Genick gebrochen wurde. Auch die sofort herbeieilende Polizei konnte ihm nicht mehr helfen. Was dann geschah, muss unsere Berichterstattung nur auf die leider geistig verwirrten Äußerungen der wenigen Überlebenden stützen.
Anscheinend hauchte auch der Mörder Gebhardt im unerklärlicherweise im Keller des Hauses aufkommenden Nebel sein Leben aus, ob durch die Kugeln der Polizei oder durch die Fänge von gräßlichen Fabelwesen, die anschließend auf die restlichen Bewohner losgegangen sein sollen, ist fraglich. Doch, da waren sich die Überlebenden in einer Art Massen-Psychose, wie sie sonst nur den Kriegsveteranen eigen ist, einig, sollen sich diese Kreaturen nun durchs ganze Haus verbreitet haben. Nein, nicht nur Kreaturen, sondern gräßlich verwandelte Formen der bereits verstorbenen Opfer, will man hier wiedererkannt haben.
Diese grausen Gestalten sollen fast ungehindert mordend durch das Haus gezogen sein und nacheinander fast jeden der Anwesenden, einschließlich der Gastgeber einem grauenvollen Tod an-
heimgegeben haben. So fand man bspw. den Grafen Strachwitz eingesponnen in übergroße Netze, in denen er scheinbar von hunderten kleiner, aber hochgiftiger Spinnen zu Tode gebissen wurde.
Inszenierte perverse Schau eines mordlüsternen Genies oder tatsächlicher okkulter Einfall unbeherrschbarer Mächte? Die letzten Überlebenden des Massaker, verschanzten sich wohl stundenlang in den höchsten und kleinsten Räumlichkeiten der Villa, wo sie auf das Tagebuch des Walter Gebhardt stießen und in Ergänzung eine alte anthropologische Schrift über den Janus-Kult in Pompeji eroberten.
Verzweifelt wurde über die so gewonnenen Erkenntnisse beraten, wobei es anhand der misslichen Lage scheinbar zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Insassen kam, die im Selbstmord eines Opfers gipfelten. Die zahllosen Kopf-Verletzungen, die nicht den Mordwaffen zugerechnet werden konnten, geben traurige Auskunft über die paranoid-überreizte Atmosphäre in diesem Raum, die sich wohl des letzten Restes an Menschlichkeit unter den Opfern bemächtigt haben muss.
Schließlich soll es zu einem verzweifelten Ausbruchsversuch gekommen sein,
an dessen Ende noch mehr sinnlose Gewalt und Tod standen und
und ein okkultes Opferritual, bei dem, im Wahn der Überlebenden, wohl der Effekt der Werke des Gebhardt rückgängig gemacht werden sollte.
Traurige Bilanz des Abends. Ein bisher scheinbar aufgrund gefälschten Ausweises unbekannter Komapatient, ein geistig verwirrter Polizist und eine Verbrecherin auf der Flucht vor dem Gesetz.
Die Berliner Polizei spricht außerdem von 14 Toten und einem Tatort, der ein solches Bild der Gewalt und des Grauens gebe, dass es sich für uns geradezu verbietet, weitere Details zu veröffentlichen.
Durch Beschluss des Senats ermittlet eine neu gebildete Sonderkommission der Kriminalpolizei, das Polizei-Amt für Rätselhafte Abweichungen von der Norm, im Amtsdeutsch kurz PARA-Norm, an diesem und zukünftig jedem der sich im Berliner Gebiet häufenden Fälle von Bluttaten im Namen okkulter Inhalte.
Diese Zeitschrift trauert um ihren langjährig zuverlässigen und stets akkuraten Reporter, Herrn Kirschler, sowie selbstverständlich um die anderen Opfer dieses schrecklichen Abends, dass den Familien der hinterbliebenen ein schwarzes Weihnachtsfest beschert.
Die Polizei bittet um Mithilfe. Hinweise aus der Bevölkerung werden entgegen genommen.








